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Das erste Fax

Seit ein paar Tagen ist Rühle offline. Mit einer letzten Mail hat er sich von seinen Freunden und Kollegen verabschiedet. „Da ich nun natürlich große Angst vor Isolation und Vereinsamung habe, wollte ich Euch flehentlich daran erinnern, dass ich einen Briefkasten habe …“, schreibt er.

Da kämpft einer schon jetzt ums soziale Überleben. Um die bange Autorenseele zu pflegen, schreibe ich ihm gleich ein Fax. Das ist das schöne alte Kommunikationsmittel, das aussieht wie ein kleiner Reißwolf und – wie man munkelt – das Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Internet letztlich doch verloren hat. Mit dem Übermut eines Entdeckers faxe ich auch noch etwas Handgeschriebenes. Wer wie ich einen Stift nur noch zum Redigieren (hier und da kryptische, unleserliche Zeichen setzen) oder zum Unterschreiben (Schlangenlinie) in die Hand nimmt, der fühlt sich, wenn er so schreibt, wie auf einer Zeitreise in die Kohl-Ära und bekommt schon nach der Anrede „Lieber Herr Rühle“ einen Krampf .

Der Autor antwortet prompt und mit einer demütigend ebenförmigen Handschrift: „Amputationsgefühle in Sachen Blackberry. Und ganz komisch, nicht mehr ins Internet abbiegen zu können. Der Bildschirm ist so grausam flach, wie eine Gefängniswand, hinter die ich nicht mehr komme. Mit anderen Worten: Cold Turkey! Aber so wollte ich’s ja.“

07.12.2009 Tom Kraushaar, Verlegerischer Geschäftsführer

Das erste Fax

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