Kuscheliger Entzug
Mit „Ohne Netz“ scheint es gut voranzugehen – zumindest deuten die Wasserstandsmeldungen darauf hin, die ich vom Autor per Postkarte erhalte. Die letzte Karte beginnt mit dem Satz „Dass ich mit diesem Typen (siehe Bild) mal in einem Verlag sein würde, hätte ich mir nicht träumen lassen“. Es folgt die Schilderung eines tatsächlichen Traums, die ich nicht bloggen darf. Leider! Nur soviel: Man merkt, dass hier jemand träumt, der mit dem kalten Entzug zu kämpfen hat.
Apropos: Weil man sich als Lektor ja in die geplagte Autorenseele hineinversetzen können muss, habe ich über die Feiertage mal die Weicheivariante des Offline-Selbstversuchs durchgezogen und für zehn Tage die E-Mail-Funktion meines Blackberrys abgeschaltet. Es fing ziemlich doof an, weil mir der Klett-IT-Mensch, statt einfach die E-Mails zu sperren, gleich noch erklärt hat, wie man sie jederzeit wieder entsperren kann.
Da ich ein echter Abhängiger bin, der an einem normalen Sonntag 34-mal guckt, ob er neue Mails hat, drohte der Versuch zu scheitern. Doch es geschah ein Weihnachtswunder: Nachdem ich Heiligvormittag eine Stunde Kerzen auf die Größe unserer Kerzenhalter für den Weihnachtsbaum zuschnitzen musste (sehr meditativ!), war ich so was von offline, dass ich bis vorgestern nicht mehr die geringste Lust verspürte, ins Internet zu gehen. So kam es zu den kuscheligsten Ferien, die ich erlebt habe, seitdem ich ein Blackberry besitze.
08.01.2010, Tom Kraushaar, Verlegerischer Geschäftsführer



"Ohne Netz" als Hörbuch
Klett-Cotta Verlag